Liebe Schwester,
mein Haus liegt an des Berges Fuß,
Von hier schick‘ ich dir einen Gruß.
Erzählen will ich dir von Sachen,
Die viele Leute stutzig machen:
Ich packte in die Ledertasche
Eine große Whiskeyflasche.
Brot und Käs‘ kam auch hinein
Und ein Fernrohr, das musst‘ sein!
Nun trat ich aus der Hütte raus,
Aus meinem kleinen Minihaus.
Auf den Berg, da wollt‘ ich hin,
Weil ich Wandersmann gern bin.
Der Pfad begann schon ziemlich steil,
Bald musst‘ ich klettern mit ’nem Seil.
Bald wurd‘ der Weg dann wieder eben,
So lässt sich’s doch viel besser leben!
Dann in der heißen Mittagsstund,
Aß ich was mit vollem Mund.
Dabei las ich in einem Buch,
Das war gewickelt in ein Tuch.
Ich las von vielen Feen und Trollen,
Die gern in Bergen wohnen wollen.
Man munkel sogar, es gibt Leute,
Die finden sie hier auch noch heute.
So wanderte ich viele Tage
Und nun erzähl‘ ich dir ’ne Sage.
In dem Buche da las ich,
Dass Fee und Troll vertrugen sich.
Doch das war schon vor tausend Jahren,
Da lebten sie in großen Scharen.
Doch dann brach aus die Hungersnot,
Da schlugen sich sehr viele tot…
Bald kam ich auf des Berges Gipfel,
Der aussieht wie ein weißer Zipfel.
Dort zog ich meinen Mantel enger,
Die Kälte wurde immer strenger.
Hier soll’n Feen und Trolle wohnen?
Würde sich das denn gar lohnen?
Bei dieser Eiseskälte hier…
Da lebt doch wohl kein einz’ges Tier!
Wollt‘ ich hier nicht festefrieren,
Sollt‘ ich besser fortmarschieren.
So eilte ich den Hang hinunter,
Hier wurd‘ die Landschaft wieder bunter.
Dort sah ich einen großen Stein,
Dieser schien bewohnt zu sein.
Leise schlich ich mich heran,
Wer da wohl alles wohnen kann?
Plötzlich hörte ich ein Brüllen,
Das mich begann mit Angst zu füllen.
Langsam drehte ich mich um
Und fiel vor Staunen da fast um.
Ein großer Troll ragt‘ vor mir auf!
Da nahm das Unglück seinen Lauf.
Wär‘ ich doch zu Haus‘ geblieben,
Wo die Tiere mich so lieben!
Aus der dunklen Höhle raus
Jagte nun der schlimmste Graus:
Eine große Schar von Trollen,
Die gern‘ jeden töten wollen.
Einer packte mich am Bein
Und zog mich ins Gestein hinein.
Ich war wie betäubt vor Schreck
Deshalb lief ich auch nicht weg.
Plötzlich lag ein süßer Duft
In der tollverseuchten Luft.
Wie verzaubert lag ich da
Und sah eine bunte Schar.
Sie bestand aus hübschen Feen,
Leider kannst du sie nicht sehen!
Diese wundervollen Wesen
Sind zur Rettung da gewesen.
Da schliefen alle Trolle ein,
Der eine ließ auch los mein Bein.
Der Duft versetzte sie in Schlaf,
Da sah’n sie alle aus ganz brav.
Schwankend stand ich langsam auf
Und ging den Berg ein Stück hinauf.
Dort riss ich aus der Wiese raus
Einen dicken Blumenstrauß.
Eilend lief ich schnell zurück,
Doch diesmal hatte ich kein Glück.
Der Strauß war für die Feen gedacht,
Doch die hatten sich schon aus dem Staub gemacht.
Der Berghang, den ging ich nun runter,
Doch ich war nicht mehr ganz munter.
Drum legte ich mich schon bald schlafen
Und träumte viel von weißen Schafen.
Jetzt bin ich endlich wieder daheim,
Doch fühle ich mich so allein.
Komm mich doch mal wieder besuchen,
Ich erwarte dich mit einem Kuchen!
Dein Bruderherz
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