Eifersucht ist eine Leidenschaft…

… die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Ein Klassiker, der das Wesen dieses Phänomens auf den Punkt bringt. Kaum ein Gefühl kann zermürbender und gleichzeitig überflüssiger sein als die Eifersucht. Ihre Macht kann beachtliche Ausmaße annehmen, ihr Vernichtungspotenzial beängstigend sein. Immer wieder zerschellen Persönlichkeiten und Beziehungen an ihr, häufig unnötiger Weise.

Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen Eifersucht ihren guten Grund hat. Häufig spukt sie jedoch als überflüssiger Plagegeist in Beziehungen herum, kann Harmonie in Disharmonie verwandeln und einen Graben der Verwüstung zwischen zwei Menschen treiben.

Doch was passiert eigentlich, wenn das Gefühl der Eifersucht einen zu Unrecht kontrolliert? In solchen Fällen fokussiert man das, was die in den eigenen Augen konkurrierende Person ausmacht, was man selbst jedoch nicht aufweisen kann. Kurzum, man sieht nur die Stärken des anderen sowie die eigenen Mängeln bezüglich dieser Stärken bei sich selbst. Die Schwachpunkte des anderen und die eigenen Vorzüge werden komplett ausgeblendet. Das führt zu einem Vergleich, der nicht nur hinkt, sondern vor vernichtender Ungerechtigkeit geradezu trieft. Der Effekt ist folgender: Während man den anderen in einem fast überirdischen Licht erstrahlend idealisiert, siecht man selbst im Schatten der Selbstverleumdung dahin. Je länger und intensiver dieser Prozess dauert, desto größer wird in den eigenen Augen die Schere zwischen dem anderen und einem selbst. Im Extremfall kann das dadurch erzeugte Gefühl der Unterlegenheit und Wertlosigkeit existenzielle Ausmaße annehmen.

Der Grund für dieses Denken und Fühlen ist simpel: Verfällt man in derartige Denkmuster, so ist dies in einer mangelnden Wahrnehmung und Wertschätzung der eigenen Eigenschaften begründet. Unhinterfragt schreibt man den fokussierten positiven Eigenschaften der anderen Person einen überdimensionalen Wert zu und macht den eigenen Wert davon abhängig.

Die Konsequenzen dieser Erkenntnis sind herausfordernd: Will man dieser quälenden, zerstörerischen Eifersucht den Kampf ansagen, so muss man diese starken Denkmuster durchbrechen. Auf Knopfdruck ist dies jedoch meist nicht möglich, ebenso wenig wie der Vorsatz, sich selbst von nun an mit Liebe und Wertschätzung zu übergießen; der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Deshalb soll es darum nicht gehen. Vielmehr ist es wichtig, den Fokus des eigenen Denkens Stück für Stück und langfristig zu verschieben, damit man sich eines Tages selbstverständlich jeden Tag neu die Achtung und Zuneigung schenken kann, die man braucht. Und das ist nicht unmöglich, sondern vielmehr unbedingt nötig! Selbstliebe und Selbstachtung sind nicht nur unabdingbare Waffen im Kampf gegen das Gefühl der Eifersucht, sondern sogar zentrale Bedingungen für ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben.

Doch was kann man nun konkret tun, wenn man diese Last der Eifersucht loswerden möchte?

  • Mache dir eine Liste mit deinen Vorzügen und Stärken und lies dir jeden Tag bewusst ein paar Punkte daraus durch. Wenn du magst, kannst du die Liste an einem Ort aufhängen, an dem du sie oft siehst, damit sich dir ihr Inhalt besonders effektiv einprägt, denn das ist das Ziel.
  • Verdränge nicht deine Schwachstellen, sondern mache auch sie dir in realistischer Weise bewusst. Bewerte sie jedoch positiv als Teil deiner Individualität.
  • Schätze alle deine Eigenschaften besonders wert.
  • Achte im Alltag auf deine Stärken, wann und wie du sie einsetzt, was du damit bewirkst und wie es sich anfühlt das zu tun. Setze sie anschließend bewusst häufiger ein, so oft du möchtest.
  • Spiele deine Eigenschaften nicht gegen die anderer Menschen aus. Das führt zu nichts. Schätze deine eigene besondere Komposition. Denn genau die kann niemand sonst aufweisen, nur du.
  • Erinnere dich daran, dass der Mensch an deiner Seite sich frei für dich entschieden hat. Er wäre nicht bei dir, wenn du nur zweitklassig für ihn wärst und er eigentlich gar nicht bei dir sein wollte.
  • Versuche, die Person, auf die du eifersüchtig bist, in einem objektiveren Licht zu sehen. Fokussiere dich nicht auf ihre scheinbar überdimensionalen Stärken, sondern sieh ihre Vorzüge und Normalität realistisch und scheue dich nicht, auch ihre Schwächen in den Blick zu nehmen. Hierbei kann es helfen, sich vorzustellen, wie die Person auf einen wirken würde, wenn man sie unbekannter Weise im Alltag träfe oder freundschaftlich kennen lernen würde.
  • Wenn du dich bereit fühlst, überwinde deinen inneren Schweinehund und lerne die betreffende Person tatsächlich in einem geschützten Rahmen kennen, um zu merken, dass auch sie nur ein Mensch ist. Vielleicht sogar einer, mit dem du dich gut verstehst.
  • Überwache dich selbst, damit du dir dessen bewusst bist, wenn du in alte Denkmuster der Eifersuchtsspirale zurück zu fallen drohst. Halte dich dann bewusst davon ab und unterbrich dein Gedankenkarussell.
  • Und egal was dir in deinem Leben noch passieren wird, egal wer dir über den Weg laufen wird, glaub an dich, sei bei dir und kenne deinen ganz persönlichen Wert.

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